Kreuzlingen

Bachstrasse 2

8280 Kolosseumsplatz Kreuzlingen

+41 78 311 80 79

Routenplaner

Gottesdienste
Sonntag 9.30 Uhr
Donnerstag 20.00 Uhr

Jenseitsglaube neu gedacht – Gesprächsabend mit Apostel Pfützner in Kreuzlingen

25.06.2025

Was glauben neuapostolische Christen eigentlich über das Leben nach dem Tod – und was bedeutet das für unseren Alltag?

Dieser Frage widmete sich ein gut besuchter Gesprächsabend mit Apostel Matthias Pfützner im Kirchenbezirk Wil. Trotz sommerlicher Temperaturen und Badewetter fanden sich zahlreiche Interessierte im Kirchensaal ein, um über das „Entschlafenenwesen“ ins Gespräch zu kommen – ein zentrales, aber oft wenig verstandenes oder sogar missverstandenes Thema im neuapostolischen Glauben.

Ein Thema, das bewegt – und berührt

Schon zu Beginn wurde klar: Der Glaube an Gottes Heilshandeln über den Tod hinaus ist für viele nicht nur ein theologischer Begriff, sondern eine tief persönliche Angelegenheit. „Was sagst du, wenn dich jemand fragt: Warum betet ihr eigentlich für die Verstorbenen?“ Diese Frage stellte Apostel Pfützner provokant in den Raum – und leitete damit über zu einem fundierten und gut strukturierten Themenabend.

Biblische Grundlagen und historische Entwicklung

Der Blick in die Heilige Schrift zeigt: Die Vorstellung, dass Gottes Wort auch im Jenseits wirksam ist, hat biblische Wurzeln. So spricht Jesus in Johannes 5,25 davon, dass „die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden“. Auch der sogenannte Descensus, also der Abstieg Christi zu den Toten (1. Petrus 3), sowie Hinweise auf stellvertretende Taufen (1. Korinther 15,29) deuten auf eine Hoffnung hin, die über den Tod hinaus reicht.

Historisch entwickelte sich die neuapostolische Praxis der Fürbitte für Verstorbene ab etwa 1870. Seit 1954 finden dreimal jährlich besondere Gottesdienste statt, in denen die Sakramente stellvertretend für Entschlafene gespendet werden – ein sichtbares Zeichen für Gottes unsichtbare Gnade.

Theologische Klärungen – verständlich erklärt

Der Apostel räumte mit Missverständnissen auf. Nein, es geht nicht um magisches Denken, Totenbeschwörung oder Automatismen. Es geht um Verantwortung in der Gemeinschaft der Heiligen – der Lebenden und der Entschlafenen (Hebräer 12,1). Die Sakramente sind Ausdruck göttlicher Liebe, die auch im Jenseits wirksam ist – angenommen werden sie aber in Freiheit.

Auch eine klare Absage erteilte er der bildhaften Annahme, Apostel würden auch im Jenseits Sakramente spenden: „Diese Vorstellung hält sich zwar hartnäckig – aber sie ist biblisch und theologisch nicht begründbar. Jesus hat sein Opfer auf der Erde gebracht, und auch die von ihm gesandten Apostel wirken nur auf der Erde.“

Spannende Fragen – ehrliche Antworten

Im zweiten Teil des Abends kam das Publikum zu Wort. Zunächst konnten sich die Teilnehmenden entscheiden, in getrennten Räumen entweder gemeinsam zu beten, sich über persönliche Eindrücke und Erfahrungen im Zusammenhang mit der Vorstellung vom Leben nach dem Tod auszutauschen oder das persönliche Gespräch mit einem der zahlreich anwesenden Geistlichen zu suchen. Anschließend beantwortete der Apostel auf die ihm eigene tiefgründige und zugleich lebendige Art und Weise Fragen der Anwesenden. Es ging um Sehnsucht und Heimweh im Jenseits, um die Frage nach Reinkarnation, nach Sünde, Gnade und Hoffnung. Ein Teilnehmer fragte: „Woher weiß ich, ob meine Fürbitte angekommen ist?“ Die Antwort: „Bete – und dann vertraue. Dein Gebet zählt vor dem Thron Gottes.“

Impulse für den Alltag

Zum Abschluss schlug Apostel Pfützner den Bogen in die persönliche Praxis: regelmäßige Fürbitte (nicht nur vor den Gottesdiensten zum Gedenken an die Verstorbenen), das Teilen der Hoffnung auf Auferstehung und das Leben im Bewusstsein einer größeren Gemeinschaft sollte im Alltag neuapostolischer Christen zur Anwendung kommen. Mit einem gemeinsamen Gebet endete ein Abend, der viele berührt – und manch einen zum Weiterdenken angeregt hat.